Rund 140 Menschen waren am 16. August in den Hof der Esslinger Weingärtner gekommen, wohin die CDU bereits zum 29. Mal zu ihrem jährlichen Stallwächterfest eingeladen hatte.

Unter den Gästen waren auch Regierungssprecher a. D. Otto Hauser und der Schlosser Konstantin Probst, die das Fest vor 30 Jahren ins Leben gerufen hatten. Der Esslinger CDU-Vorsitzende Tim Hauser erinnerte an die Anfänge und die Geschichte der Veranstaltung, um gleichzeitig deutlich zu machen: Für die Volksparteien ist es nicht genug, aus der Vergangenheit zu leben, sie müssen sich anpassen, wenn sie nicht als Dinosaurier vom Aussterben bedroht werden wollen. Für Hauser ist eines zentral: „Die Politik muss wieder den Mut haben, Themen zu besetzen.“ Bei hohen Mieten, Baustellen, Feinstaubalarm und Fahrverboten wollen die Menschen „wissen, wie Esslingen, wie Baden-Württemberg, wie Deutschland morgen aussieht“.

Auch der Esslinger Landtagsabgeordnete Andreas Deuschle kritisierte die langsamen und unklaren Reaktionen der Bundes-CDU auf Themen wie die Kritik an der Europäischen Urheberrechtsreform und „Fridays for Future“. Dagegen betonte er die Bedeutung der Zukunftsthemen Klimaschutz und Digitalisierung. Das Thema Klimaschutz ist ein ureigenes Thema der CDU. „Wer wenn nicht wir Christdemokraten muss sich um die Bewahrung der Schöpfung kümmern,“ so Deuschle. Beim Thema Digitalisierung kritisierte Deuschle das Zögern der Stadt Esslingen. Die Stadt war „eine der letzten größeren Kommunen im Landkreis – Deizisau und Nürtingen waren hier rund vier Jahre früher dran“. Auch dass Esslingen unter den 1.101 Kommunen in Baden-Württemberg eine von drei ist, die keinerlei Mobilfunkanlagen auf städtischen Liegenschaften zulässt, sei nicht mehr tragbar: „Wer es mit der Digitalisierung wirklich ernst meint, der muss voranschreiten.“ Autonomes Fahren sei mit der jetzigen Netzabdeckung Esslingens schlicht nicht machbar. Wie es geht, zeige das Land Baden-Württemberg: Mit der Rekordsumme von einer Milliarde Euro, die über fünf Jahre investiert wird, nehme das Land seinen Anspruch ernst: „Wir wollen hier vor unserer Haustüre, in Baden-Württemberg, digitale Leitregion werden!“

Generalsekretär Manuel Hagel MdL sprach Fehler deutlich an, die die CDU in der Vergangenheit gemacht hatte. Insbesondere übte er Kritik an der Strategie der „asymmetrischen Demobilisierung“ der Bundespartei – und hob dagegen die Arbeit des CDU-Vorsitzenden Tim Hauser und des Landtagsabgeordneten Andreas Deuschle positiv hervor, die beide nicht um klare Worte verlegen sind und zu ihren Werten stehen. Auch Hagel warb für eine selbstbewusste Christdemokratie, die ihre liberalen, christlichen und konservativen Wurzeln gleichermaßen betont. Die Breite der Volkspartei sei dabei ihre Chance, wie der Generalsekretär betonte: „Die CDU war immer dann am besten, wenn wir aus dieser Vielfalt keine Angst produziert haben, sondern weil wir diese Vielfalt als bereichernd empfanden.“ Was das christliche Menschenbild bedeutet, machte er an mehreren Beispielen deutlich: Dazu gehört der Klimaschutz als Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung. Dazu gehört die Familie – die Alleinerziehende ebenso wie die Familie mit Alleinverdiener. Dazu gehört der stärkere Blick auf Menschen, die die Unterstützung der Gemeinschaft benötigen. Und dazu gehört die Vielfalt im Bildungssystem: „Für uns als CDU Baden-Württemberg ist jeder junge Hauptschüler und jeder junge Realschüler genauso viel wert wie jeder Gymnasiast“ – mit ihren Begabungen haben sie eine ebenso wichtige Aufgabe für die Gesellschaft.

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