17. Januar 2010
Volker Kauder blickt beim Neujahrsempfang der CDU Esslingen zuversichtlich in das kommende Jahr
Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Volker Kauder zeigte sich beim Neujahrsempfang der Esslinger CDU am 17. Januar 2010 vor zahlreichen Gästen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und der Bürgerschaft für das kommende Jahr und die mit der Wirtschaftskrise verbundenen Herausforderungen zuversichtlich und forderte eine gemeinsame Kraftanstrengung, um die Krise zu meistern.
Der Vorsitzende des CDU-Stadtverbands Esslingen Enrico Bertazzoni, der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Volker Kauder, Landtagsvizepräsidentin Christa Vossschulte und der Esslinger Bundestagsabgeordnete Markus Grübel auf dem Neujahrsempfang der CDU Esslingen am 17. Januar 2010 im Alten Rathaus in Esslingen (v.l.n.r.).
Der Esslinger Bundestagsabgeordnete Markus Grübel begrüßte die ca. 250 Gäste aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und der Bürgerschaft zum Neujahrsempfang der CDU Esslingen im Alten Rathaus und wünschte Ihnen ein frohes neues Jahr. Zu Beginn des Empfangs gedachten die Anwesenden mit einer Schweigeminute des am 17. Januar 2010 verstorbenen ehemaligen Oberbürgermeisters der Stadt Esslingen Eberhard Klapproth. Grübel zog aus Sicht der Esslinger CDU Bilanz des vergangenen Superwahljahrs 2009. Während die Kommunalwahlen für die CDU in Esslingen kein befriedigendes Ergebnis gebracht hätten, sei die Bundestagswahl mit einem hervorragenden Erststimmenergebnis umso erfreulicher verlaufen. Im Hinblick auf die künftige Arbeit der schwarz-gelben Regierung zeigte sich Grübel zuversichtlich, dass der Koalitionsmotor bald rund laufen werde. Grübel bot außerdem einen Ausblick auf das familienpolitische Konzept der neuen Familienministerin Kristina Köhler, das diese in nächster Zeit präsentieren werde. Köhler wolle unter anderem die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege gewährleisten und die Betreuung von Demenzkranken sowie deren Angehörige verbessern. Als Obmann im Familienausschuss wolle Grübel sie dabei nach Kräften unterstützen. Grübel wies auch auf die „CDU-Wochen“ hin, die die CDU ab dem 3. Oktober 2010 bundesweit veranstalten wird. Dabei wolle die CDU mit den Bürgern ins Gespräch kommen und Themen vom Afghanistan-Einsatz bis zum Betreuungsgeld diskutieren und jeder sei dazu aufgerufen, seine Meinung in die politische Arbeit der CDU einzubringen.
Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Volker Kauder wünschte den Anwesenden zu Beginn seiner Rede Gottes Segen für das kommende Jahr. Anschließend befasste sich Kauder mit den Auswirkungen der Wirtschaftskrise, die man besonders in einer Stadt wie Esslingen spüre, die eng mit dem Automobilsektor verknüpft ist. Die Menschen seien verständlicherweise besorgt und viele befürchteten, von der Kurzarbeit in die Arbeitslosigkeit abzurutschen. Besonders junge Menschen seien um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt besorgt. Die Automobilindustrie sei immer noch der Motor der baden-württembergischen Wirtschaft und Deutschland verdanke den Status als Exportweltmeister gerade Baden-Württemberg. Von der Krise sei deshalb nun in erster Linie auch Baden-Württemberg betroffen. Da die deutsche Wirtschaft vor allem exportorientiert sei, müsse nun die Politik dafür sorgen, dass nicht nur die Wirtschaft in Deutschland, sondern in der ganzen Welt wieder in Ordnung komme. Kauder wies daraufhin, dass die Wirtschaft in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr um 5 % geschrumpft sei. „Also brauchen wir Wachstum, damit die Menschen von der Kurzarbeit wieder in volle Arbeitsverhältnisse zurückkommen“, so Kauder und weiter „alle müssen sich anstrengen und Kräfte mobilisieren, damit wir dieses Ziel erreichen.“ Kauder hält einen Zeitraum bis 2013 für realistisch, um das Niveau des Jahres 2007 wieder zu erreichen. Zur Verantwortung der Regierung in dieser Zeit meinte Kauder: „Die Menschen müssen den Eindruck haben, dass in der Regierung Menschen sitzen, die wissen, was sie wollen. Wir brauchen Klarheit im Kurs, damit die Menschen wissen, wo es hingeht.“ Deshalb sei das Spitzentreffen von Angela Merkel, Horst Seehofer und Guido Westerwelle zu Recht mit Erwartungen verbunden. Kauder wies aber auch darauf hin, dass die Koalition deutlich besser arbeite als dies in der Öffentlichkeit wahrgenommen werde.
Der Vorsitzende der CDU-/CSU-Bundestagsfraktion äußerte sich auf dem Neujahrsempfang des CDU Stadtverbands Esslingen zu den Themen Wachstum, Bildung und Zusammenhalt.
Da es sich bei dem Bundeshaushalt für 2010 noch um einen echten Krisenhaushalt handle, der im Wesentlichen noch durch die Entscheidungen der Großen Koalition geprägt sei, könne man konkrete Sparmaßnahmen derzeit noch nicht erwarten. Kauder sieht auch in den kommenden Jahren keine großen Verteilungsspielräume. An einer einfacheren und gerechteren Steuergesetzgebung hält er aber fest. Insbesondere mittlere Einkommen müssten wegen der Steuerprogression entlastet werden. Mögliche Spielräume für eine Steuerreform seien aber erst nach der Steuerschätzung kommenden Mai absehbar. Ein solches Vorgehen stehe auch ganz klar mit dem im Koalitionsvertrag vereinbarten Finanzierungsvorbehalt in Einklang. Kauder betonte, dass auch die CDU mehr Netto vom Brutto schaffen wolle. Dabei brachte Kauder auch eine Entlastung auf Seite der Sozialversicherung ins Spiel: „Man muss schon darüber nachdenken, warum ein Einkommen erst ab einer bestimmten Höhe steuerlich belastet werde, Sozialversicherung aber schon ab dem ersten Cent gezahlt werden muss.“
Gerade im Hinblick auf die Wirtschaftskrise war Kauder wichtig zu sagen, dass die Zukunft nur mit einer gut ausgebildeten und qualifizierten Jugend gemeistert werden könne. Kauder sieht die Bildungspolitik auf einem guten Weg und die letzte Bundesregierung sowie die Landesregierungen unter Federführung der CDU hätten hier vieles auf den Weg gebracht.
Bei den jüngsten Diskussionen um Hartz IV ist nach Ansicht Kauders vieles richtig, aber auch vieles falsch. Für Kauder steht außer Zweifel, dass Menschen, die durch die Krise in Kurzarbeit geraten oder arbeitslos geworden sind, geholfen werden muss. Großen Applaus erntete Kauder bei seiner Aussage: „Wer Banken rettet, muss auch den Menschen helfen, die durch das Fehlverhalten von Banken in Not geraten sind.“ Den Grundsatz des Fördern und Fordern hält Kauder nach wie vor für richtig. Es könne nicht das Ziel von Sozialleistungen sein, einen Zustand zu zementieren. „Wir müssen den Menschen aber auch den Willen und die Perspektive zum Aufstieg geben“, so Kauder. Dabei zog er Parallelen zu seiner eigenen Kindheit. Seine Eltern seien nach dem Zweiten Weltkrieg als Flüchtlinge aus Jugoslawien nach Deutschland gekommen und hätten ihren Kindern materiell nicht viel bieten können. Eine Aussage seines Vaters habe Kauder besonders geprägt: „Wir können euch keinen Reichtum bieten, aber eine gute Erziehung und Bildung, damit ihr aus euch etwas macht.“ Dies, so Kauder, sei der Schlüssel zu seinem eigenen Werdegang gewesen und diese Einstellung würde er gerne bei viel mehr Menschen sehen.
Eine gute Bildung und Erziehung trage auch in erheblichem Maße zur Integration bei. Es sei ein unhaltbarer Zustand, dass viele Kinder mit Migrationshintergrund keinen Schulabschluss haben. Kauder forderte gerade im Interesse der Kinder, dass diese die deutsche Sprache lernen müssen. Genauso wichtig sei es aber, ein Bewusstsein zu schaffen, dass Kinder Bildung und Erziehung genießen können.
Kauder bedankte sich bei Markus Grübel für seine Arbeit im Familienausschuss und besonders für seine Freundschaft: „Es ist viel wert, Menschen um sich zu haben, die einem unter die Arme greifen und nicht abwarten, ob man irgendwann vom Seil fällt.“
Dies sei in der CDU-Familie genauso wichtig, wie in einer normalen Familie. Kauder hob hervor, dass eine Familie als etwas Besonderes zu fördern sei. Dabei ist ihm der Grundsatz der Wahlfreiheit besonders wichtig und er verwies auf einen Satz im Galaterbrief: „Der Mensch ist zur Freiheit berufen.“ Man müsse respektieren, wenn Eltern eine Betreuungsmöglichkeit für ihre Kinder wählen, aber genauso, wenn sie ihre Kinder selbst erziehen wollen. Das Betreuungsgeld ist für Kauder dabei ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber Eltern, die ihre Kinder in den ersten Jahren selbst betreuen.
Im Hinblick auf den Atomausstieg erteilte Kauder einer Politik, die ihre Ideologie auf Teufel komm‘ raus durchsetzen wolle, eine klare Absage. Kauder machte aber deutlich: „Wir steigen in das Zeitalter der erneuerbaren Energien ein“ und dass sich in der Koalition gerade die CDU für erneuerbare Energien einsetze. Er kündigte für September einen Energiekonsens an, der den zeitlichen Rahmen aufzeige, bis wann ein 80-Millionen-Volk allein mit erneuerbaren Energien versorgt werden könne. Bis es soweit ist, müssten Kohle und Kernkraft aber weiter genutzt und weiterentwickelt werden.
Kauder nahm auch die Banken bei der Bewältigung der Wirtschaftskrise in die Pflicht. Für ihn steht die Unterstützung der Banken in engem Zusammenhang damit, dass diese ihrer Aufgabe gerecht werden, den Mittelstand zu finanzieren. Bezogen auf die drohende Kreditklemme mittelständischer Unternehmen erklärte Kauder: „Wenn hier in den nächsten Wochen und Monaten nichts passiert, darf die Politik nicht zulassen, dass der Mittelstand untergepflügt wird.“.
Kauder äußerte sich auch zu dem Erdbeben auf Haiti und betonte: „Es gehört zur Politik, sich um andere zu kümmern und zu helfen, wenn es nötig ist.“ Es sei eben nicht egal, wenn in Afghanistan oder im Iran Terrorcamps betrieben werden. Und es nicht egal, wenn Diktatoren in anderen Ländern Menschen unterdrücken“ und forderte, sich für mehr Menschenrechte einzusetzen. Kauder endete mit einem Zitat Dietrich Bonhoeffers „mutig und zuversichtlich wagen“ und wünschte allen Anwesenden ein gutes Jahr 2010.
Enrico Bertazzoni bedankt sich bei Volker Kauder für seine Rede und überreicht ihm als Dankeschön einen guten Esslinger Tropfen.
Enrico Bertazzoni, der Vorsitzende des CDU-Stadtverbands Esslingen dankte Volker Kauder für seine Worte und überreichte ihm zum Dank eine Flasche „guten Esslinger Tropfens“. In seinem Schlusswort erläuterte er den Brauch des Neujahrsempfangs, der ursprünglich als Schenkungspredigt entstanden sei. Bertazzoni lobte den Neujahrsempfang der Esslinger FDP. Kritik äußerte er indes an der Rede des Oberbürgermeisters der Stadt Esslingen Dr. Jürgen Zieger auf dem Neujahrsempfang der Stadt , der sich mehr mit der Landes- und der Bundespolitik beschäftigt habe, statt sich zu der finanziellen Lage der Stadt Esslingen zu äußern. Dies hätten sich sicherlich viele Bürger gewünscht. Bertazzoni dankte abschließend den Helfern im Hintergrund, die wie jedes Jahr für ein schönes Ambiente und einen reibungslosen Ablauf des CDU-Neujahrsempfangs gesorgt hätten und schloss sich den guten Wünschen seiner Vorredner für das neue Jahr an.
Markus Grübel (links) im Gespräch mit Volker Kauder.